Tag 222

Das ist doch ein schöner Tag für die Wiederaufnahme der Schreibtätigkeit, trotz des Sturms Sabine. In den letzten Wochen habe ich mich in erster Linie um den Bau unseres Hühnerstalls gekümmert. Über Weihnachten war uns ein Huhn zugelaufen. Jetzt hat es einen Stall (meinen Fahrradanhänger 1.0 umgebaut zu Hühnerstall 1.0) einen Namen (Hilde) und zwei Gefährten (Huhn Frieda und Hahn Julius). Der Zaun zur Sicherung unseres Gemüsegartens ist auch schon fast fertig.

Zeit sich wieder mit dem Rad, dem Camper und der neuen Tour zu beschäftigen. Das Rad wird neu zusammengebaut: Aus 28 Zoll wird 26 Zoll, aus Alu mit Federgabel wird Stahl ohne Federgabel. Alle Komponenten werden nicht wie bisher auf ein Systemgewicht von 130kg sondern auf 180kg ausgelegt. Anstelle eines 21 Gang Schaltwerkes kommt nun eine 24-Gang Schaltung zum Einsatz, deren größtes Ritzel nun 36 Zähne, anstelle von 32 Zähnen, besitzt und somit eine bessere Untersetzung in Steigungssituationen bietet. Mein Schwager Siggi hilft mir beim Zusammenbau und bei der Auswahl der Komponenten. Der Anhänger muss teilweise zerlegt, verstärkt, abgeschliffen und neu gestrichen werden. Wenn das erledigt ist, soll noch eine Solarzelle oben drauf. In sechs Wochen, so das Ziel, wird alles reisefertig sein.

Na dann mal los! 🙂

Tag 177

Weihnachten ist vorbei, Silvester steht vor der Tür. Ich hoffe, dass Ihr alle eine schöne Wintersonnenwendezeit hattet und dass Ihr gut in das neue Jahr 2020 reinrutscht. Hoffentlich ohne allzu viele Böller (am besten natürlich gar keine) und ohne allzu viele kunststoffverpackten Lebensmittel (am besten natürlich gar keine). Ich freue mich schon sehr auf den Frühling und den Start meiner zweiten Tour. Bis es soweit ist, muss der Anhänger allerdings noch überarbeitet und verbessert werden. Hier nochmal eine Galerie mit ein paar Schnappschüssen von der ersten Tour.

Tag 161 (km 842 bis 870)

Das war heute die Abschlussetappe von Schiffdorf nach Stollhamm, 28 km. Nachdem ich um 9 Uhr bei Thomas aufgebrochen bin, kam ich pünktlich am 12.12. um 12:12 Uhr im Burgeck in Stollhamm an. Am 12.12. haben übrigens sowohl mein Vater als auch meine Mutter Geburtstag und mein Vater wäre heute zudem noch 100 Jahre alt geworden, wenn er denn noch leben täte. Schön wieder zuhause zu sein, die Sonne scheint und alles ist so vertraut. Es war natürlich auch schön unterwegs zu sein…. für ein Resümee ist jetzt noch zu früh…. erstmal wieder ankommen, hier…. 870 km, nachdem Googlemaps bei der ersten Routenberechnung 580 km vorausberechnet hat….

… 2 b continued

Tag 160 (km 779 bis 842)

Hui, heute bin ich von Wischhafen bis nach Schiffdorf gefahren. 63 km und meine Beine sind ganz schön ausgepowert. Zum Glück hat es nur die letzten 6 km etwas geregnet und der anfangs frische Wind aus westlichen Richtungen (ja das ist echt blöd, wenn man nach Westen fahren will) ließ im Lauf des Tages immer weiter nach. Ich bin heute bei Thomas untergekommen und werde morgen meine letzte Etappe zurück nach Stollhamm antreten. Freue mich schon auf Bad, Küche, Bett :-), Gn8, Uwe

P. S. die neue Deichsel hat bisher prima gehalten

Tag 159 (km 713 bis 779)

Jippie…. Wieder auf der Piste. Gesund und munter mit erneuertem Equipment. Zuerst habe ich Susannes Wohnung wieder in den Grundzustand versetzt (Hi Susanne, ich hoffe es ist mir zumindest ansatzweise geglückt) . Um halb 10 wollte ich mich mit Norbert treffen. Pünktlich stand er vor der Tür, also erstmal zum Bäcker mit den stadtbesten Franzbrötchen und einen leckeren Kaffee getrunken. Um 10:30 Uhr dann die Pferde gesattelt.

Los geht’s…… Ganz so steil war es nicht 🙂
Quer durch Hamburg…..

Später dann über Pinneberg und Elmshorn (bei einer kurzen Teepause in Elmshorn sprach mich ein 85 jähriger Fahrradenthusiast mit e-bike an, erkundigte sich detailiert nach meinem Camper und erzählte mir seine Fahrradgeschichte incl. der Flucht seiner Familie im Januar 1943 aus Ostpreußen. Ich bin dankbar für diese Begegnung mit der intensiven Beschreibung der Kriegsgeschehenisse aus der Erinnerung und der persönlichen Erfahrung eines Zeitzeugen) dann nach Glückstadt. Bei richtig schönem Radlwetter, mit Sonne und wenig Wind ging es zunächst recht zügig voran, als die Sonne dann unterging, setzte der Gegenwind ein, die letzten Kilometer waren anstrengend und kalt. Am Fähranleger war es schon stockeduster, aber die ankommende Fähre spuckte gerade ihr letztes Auto aus, als ich frech mit dem Rad, links auf dem Radweg, an der gesamten Warteschlange vorbeigefahren war…. also bin ich gleich weiter auf die Fähre und…. rüber nach Wischhafen.

In Ermangelung eines Stellplatzes und angesichts des arschkalten böigen Windes habe ich mich heute in die Komfortzone des Wischhafener Fährhauses zurückgezogen…. Das kann ich mir verzeihen… Gleich noch schnell die morgige Etappe planen….. Hallo Thomas :-)….. und dann heia… Bimo, Uwe

Tag 158 (Reparaturtag 2.4)

Die passende Deichsel ist da, ruckzuck die falsche Deichsel abgebaut, hin zum Fahrradladen, Löcher gebohrt und die richtige Deichsel wieder unter den Anhänger. Nun ist der Camper wieder einsatzfähig, aber ich noch nicht ganz. Den Rest des Tages ruhe ich mich aus. Morgen, also Dienstag soll es weiter gehen Richtung Glückstadt. Eigentlich wollten Susanne und Norbert mich mit dem Rad aus Hamburg rausbegleiten, aber Susanne musste dienstlich verreisen. Norbert hat aber zugesagt, sicherzustellen, dass ich Hamburg auch wirklich verlasse. 🙂

Tag 157 (Wartetag 7)

Die Nacht war nicht so geruhsam, die Erkältung hat sich offensichtlich auf die Nasennebenhöhlen ausgebreitet. Unangenehm. Also schlafen, ruhen, heiß duschen, Tee trinken.

Tag 156 (Wartetag 6)

Jo, der Paketdienst avisiert die Deichsel für Montag. Also entspannt zurücklegen, sich in Geduld üben, meditieren, atmen.

Tag 155 (Wartetag 5)

Nachdem die jetzt verbaute Deichsel nicht tut, was sie tun soll, habe ich direkt bei Weber die richtige Deichsel bestellt, vielleicht wird sie morgen schon geliefert. Schauen wir mal. Ich nutze die Zeit und höre mir einige Beiträge von Eckhart Tolle an, kann man nicht oft genug hören.

Tag 154 (Reparaturtag 2.3)

Die Deichsel ist da, sieht gut aus, ist aber etwas gebogen….hmm… wird schon passen. Also alte Deichsel und Aufnahme abgebaut …. hin zum Fahrradladen… Löcher bohren lassen…. und wieder an den Camper dran…. fertig…. sieht komisch aus…. ob das passt? Fahrrad davor…. und… Scheißdreck… passt nicht… die Deichsel drückt den Hänger am hinteren Ende nach unten, die Bodenfreiheit ist zu gering, da würde ich bei jedem Bürgersteig oder Radwegunebenheit hängen bleiben. offensichtlich die falsche Deichsel. Ich fühle mich gerade ziemlich ohnmächtig, wütend und verzweifelt. Um ehrlich zu sein, ich bin gerade sehr wütend, sogar extrem wütend. In erster Linie natürlich auf mich, ich Idiot habe ja dieses Ding bestellt und auch noch eingebaut und es vorher noch durch das Einbringen von Bohrlöchern beschädigt. Ich habe also 80 Euro zum Fenster rausgeschmissen, wo ich doch zur Zeit eh kein Geld habe und am unteren Limit vegetiere. Hier schreibe ich gleich noch weiter….. puuh… muss mich erstmal wieder einkriegen… So ist das, eigentlich weiß ich genau, dass nicht die Veränderung (ein Plan läuft nicht wie vorgestellt) sondern das Wehren gegen Veränderung (das Festhalten daran) den Schmerzkörper auf den Plan ruft. Aber manchmal ist man einfach nicht wach, oder nicht präsent genug… hihi…

Heinz Rudolf Kunze;
1981;
Reine Nervensache;
Noch hab‘ ich mich an nichts gewöhnt:

Zum Beispiel, daß es Winter wird
daß bald um diese Zeit
die Sonne nicht mehr gläsern ist
der Ausblick nicht mehr weit

Zum Beispiel, daß der Dicke dort
mit Postbeamtenblick
die Frau anschaut und wissen muß:
die Frau schaut nie zurück

Auch wenn der Marschtakt der Tage
mir in den Ohren dröhnt –
noch hab ich mich
noch hab ich mich
an nichts
gewöhnt

Zum Beispiel, daß ein kleines Kind
beim Spiel mit Gift verreckt
weil ein Chemieboß seinen Müll
just unter uns versteckt

Zum Beispiel, daß man beinah nichts
bekommt, wenn man nicht zahlt
daß niemand jemand irgendetwas
glaubt, wenn man nicht prahlt

Auch wenn der pünktlich Gereifte
mich laut dafür verhöhnt –
noch hab ich mich
noch hab ich mich
an nichts
gewöhnt

Zum Beispiel, daß ein naher Mensch
vor Schmerzen schreit und stirbt
der Tod schlechthin – ein Fakt, das nicht
für Gottes Schaltplan wirbt

Zum Beispiel, daß man Liebe kaum
zu dritt erleben kann
und mancher, den als Frau man wünscht
verkehrt nun mal als Mann

Auch wenn mein innerer Pfaffe
schon mal von Treue tönt –
noch hab ich mich
noch hab ich mich
an nichts
gewöhnt

Zum Beispiel, daß du mit mir sprichst
und sprichst doch nicht mit MIR
zum Beispiel, daß ich mit dir schlaf
und schlaf doch nicht mir DIR

Zum Beispiel, daß man grausam oft
alltäglich unterliegt
man löffelt stumm sein Blutgericht
und die Gewöhnung siegt

Auch wenn mein Schutzengel wegen
der Mehrbelastung stöhnt –
noch hab ich mich
noch hab ich mich
an nichts
gewöhnt
an nichts
gewöhnt